Die Rückkehr des Fischotters
Im vergangenen Winter sorgte er für Begeisterung: Gleich 37-mal tappte der Fischotter während der Ranzzeit bis Ende Februar vor unsere Kameras. In diesem Jahr sind es an denselben Standorten bislang nur fünf Nachweise. Eine Entwicklung, die auf den ersten Blick beunruhigt – auf den zweiten jedoch typisch für die Dynamik der Natur ist.
Warum schwanken die Nachweise?
Der Fischotter ist ein Wanderer zwischen den Welten – und vor allem ein Feinschmecker. Wo es ausreichend Nahrung gibt, dort bleibt er. Wo das Nahrungsangebot schwankt, zieht er weiter. Zwar hat sich der ökologische Zustand vieler Gewässer verbessert, doch vom Ideal sind wir noch entfernt. Gerade Fische als Hauptbeute reagieren sensibel auf Umweltveränderungen – und mit ihnen der Otter.
Hinzu kommt der derzeit vielerorts hohe Wasserstand, besonders an der Blies. Überflutete Uferzonen, veränderte Strukturen und unzugängliche Verstecke können dazu führen, dass der Otter kurzfristig auf andere Gewässer ausweicht. Solche Bewegungen sind normal – und Ausdruck eines anpassungsfähigen Wildtiers.
Der Otter ist da – auch wenn wir ihn nicht immer sehen
Trotz der geringeren Kameranachweise gibt es keinen Anlass zur Entwarnung: Der Fischotter ist im Saarland heimisch. Hinweise aus anderen Regionen bestätigen das. Mehrere Kotfunde („Losungen“) werden derzeit genetisch untersucht. Die DNA-Analysen beim Senckenberg-Institut sollen klären, welche Tiere sich wo aufhalten – und ob es sich um bekannte oder neue Individuen handelt.
Besonders vielversprechend erscheinen Gewässer wie Oster, Theel und Ill sowie die Altarme der Saar. Erste zaghafte Hinweise liegen vor, und Fachleute des Umweltministeriums prüfen diese Bereiche nun genauer.
Mitmachen beim Ottermonitoring
Um ein klareres Bild zu gewinnen, braucht es viele wache Augen. Das Zentrum für Biodokumentation (ZfB) sucht daher engagierte Ehrenamtliche für das Ottermonitoring. Wer Freude an Naturbeobachtung hat, kann einen wertvollen Beitrag leisten. Je dichter das Netz an Beobachtenden, desto besser lassen sich Wanderbewegungen nachvollziehen.
Grenzenlos unterwegs – der Otter verbindet
Wie dynamisch sich die Population entwickelt, zeigte auch das erste internationale Ottermeeting am 9. Februar. Fachleute aus der Schweiz, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland tauschten sich über aktuelle Erkenntnisse aus. Ein zentrales Thema: Die sogenannte „Otterlücke“ – ein lange als unbesiedelt geltender Raum zwischen Deutschland und Frankreich – schließt sich zunehmend.
Das Treffen markierte zugleich den Auftakt für das geplante Kompetenzzentrum Fischotter im Saarland. Ziel ist ein grenzüberschreitender Austausch von Daten, Studien und Erfahrungen. Denn eines ist klar: Der Otter kennt keine Landesgrenzen. In einer gemeinsamen Cloud werden bereits wissenschaftliche Unterlagen gesammelt, um Wissen zu bündeln und allen Beteiligten zugänglich zu machen.
Ein stiller Rückkehrer mit Zukunft
Auch wenn sich der Fischotter derzeit etwas rarmacht, spricht vieles dafür, dass er im Saarland fest etabliert ist – vielleicht sogar schon länger, als wir annehmen. Seine Rückkehr ist kein geradliniger Prozess, sondern ein lebendiges Wechselspiel aus Angebot, Anpassung und Ausbreitung.
Der Otter ist unterwegs. Und mit jedem Hinweis, jeder Probe und jeder Beobachtung kommen wir ihm ein Stück näher.
(Autor: Hardy Welker)
Spendenkonto:
Bund für Umwelt- und Naturschutz Landesverband Saarland e.V.
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