BUND Landesverband Saarland

Arten des Jahres

Nachdem erstmals 1971 ein Vogel des Jahres gewählt wurde, hat sich die Zahl der Jahreswesen enorm gesteigert. Von der Mikrobe des Jahres bis zum Baum des Jahres werden von mehreren Organisationen aus vielen Gruppen Arten des Jahres ausgewählt. Diese sollen auf die Gefährdung von Pilzen, Pflanzen, Tieren und ihrer Lebensräume aufmerksam machen.

An dieser Stelle werden einige der Erwählten vorgestellt. Wichtig ist hierbei der Bezug zum Saarland.

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Arten des Jahres 2020

Mode, Fieber und Beutel

Foto: Thomas Hey

Wildtier des Jahres:

der Maulwurf

Wissenschaftlicher Name: Talpa europaea LINNAEUS

Familie: Maulwürfe (Talpidae)

Verbreitung: Westeuropa bis Westsibirien

Ökologie: unter Wiesen, Weiden, Gärten und Wäldern

 

Der Maulwurf ist in der Wahrnehmung des Menschen ein zwiespältiges Tier. Kinder lieben ihn als Held in Zdeněk Milers Kinderbüchern oder in der Sendung mit der Maus. In Gärten und auf Sportrasen wird er hingegen aus weithin bekannten Gründen eher skeptisch gesehen.

Die Ausdehnung des unterirdischen Gangsystems erreicht beim Weibchen durchschnittlich 0,2 Hektar, beim Männchen rund 0,6 Hektar mit einer maximalen Ganglänge von etwa 200 Meter. Im Laufe des Sommers suchen sie dort ihre ausschließlich tierische Nahrung, vor allem Regenwürmer, Schnecken und Insekten. Für den Winter legen sie Vorräte an, indem sie Regenwürmern in den Vorderkörper beißen und sie so bewegungsunfähig machen. In den Gängen können sich Maulwürfe sowohl vorwärts als auch rückwärts bewegen, da ihr Fell keinen Strich aufweist.

Zwischen den Weltkriegen waren Mäntel und Jacken aus Maulwurffellen en vogue. Allein 1930 wurden 20 Millionen Felle vermarktet. Doch der Maulwurf hatte Glück: Diese Pelze waren nicht besonders widerstandsfähig, womit sich die Modeerscheinung bald weitgehend erledigt hatte.

Dr. Martin Lillig
 


 

Blume des Jahres:

der Fieberklee

Foto: H. Timmann-Klein (Fieberklee4)

Wissenschaftlicher Name: Menyanthes trifoliata LINNAEUS

Familie: Fieberkleegewächse (Menyanthaceae)

Verbreitung: Nordamerika, Nordasien, Europa

Ökologie: in Feuchtgebieten, wie Bruchwälder, Moore, Feuchtwiesen

 

Die Loki-Schmidt-Stiftung ernannte den Fieberklee zur Blume des Jahres 2020. Sie ist über die Nordhalbkugel weit verbreitet, lokal aber vielfach bedroht. Im Saarland ist die hier seltene Pflanze stark gefährdet (Kategorie 2). Als Gefährdungsursachen werden die Ausbreitung von Gehölzen in Feuchtbereiche, die Eutrophierung von Gewässern, die Vernichtung von Kleinstrukturen und kleinen Sonderstandorten sowie Entwässerung von feuchten Standorten betrachtet. Die Art ist durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt.

Der Fieberklee besiedelt alle Höhenstufen vom Flachland bis in subalpine Bereiche. Er ist sowohl in flachem Wasser als auch terrestrisch anzutreffen. Die Bestäubung erfolgt durch Wildbienen, z. B. durch Hummeln.

In der Pharmakologie gilt Fieberklee als Mittel gegen Blähungen, Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen. Gegen Fieber hilft die Pflanze hingegen nicht.

Dr. Martin Lillig
 


 

Höhlentier des Jahres:

die Mauerassel

Foto: Klaus Bogon (Oniscus_asellus_Mauerassel)

Wissenschaftlicher Name: Oniscus asellus LINNAEUS

Familie: Mauerasseln (Oniscidae)

Verbreitung: in weiten Teilen Europas ohne das Mittelmeergebiet

Ökologie: häufig in feuchten Höhlen, gelegentlich im Freiland

 

Etwa 10.000 Asselarten sind weltweit bekannt. Diese Zahl liegt etwa bei der der beschriebenen Vogelarten. In Europa sind es ca. 1.450 Arten, in Deutschland 49. Und im Saarland? Niemand weiß es. Es gibt keine zusammenfassende Literatur. Sehr vereinzelt werden Nachweise in der Fachliteratur im Rahmen von Gesamtartenlisten erwähnt, so auch von der Mauerassel, die in einer Arbeit über die Tierwelt von Zillas Felsenkeller in Nunkirchen Erwähnung findet.

Es gibt nur wenige Menschen, die sich intensiv mit diesen Krebsen beschäftigen. Zu unrecht. Denn interessant sind sie allemal. Die nachtaktive Mauerassel lebt oft gemeinschaftlich mit der bekannteren Kellerassel an feuchten Stellen, meist in Höhlen. Das Weibchen schenkt ein bis dreimal jährlich jeweils bis zu 70 Jungasseln das Leben. Ähnlich den Beuteltieren halten sie sich zunächst in einer Brusttasche auf.

Mauerasseln ernähren sich überwiegend von abgestorbenen Pflanzen und tragen so zur Humusbildung bei.

Dr. Martin Lillig

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