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BUND Landesverband Saarland

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BUND-Projekt: Prozessschutzorientierte Waldbewirtschaftung in Quierschied

Am 21.11.2006 haben das Ministerium für Umwelt, der SaarForst-Landesbetrieb und der BUND Saar eine gemeinsame Vereinbarung über die Durchführung und Begleitung des Projektes "Prozessschutzrevier Quierschied" unterzeichnet.

"Prozessschutz im Wirtschaftswald bedeutet, dass so gewirtschaftet wird, dass die natürlichen Abläufe wie zum Beispiel die Naturverjüngung und die natürliche Selektion und die natürliche Dynamik in den Wäldern weitgehend zugelassen werden. Sie werden im Sinne der Wirtschaftsziele genutzt, soweit sie zielführend sind.


Unserer Ansicht nach ist daher die prozessschutzorientierte Waldbewirtschaftung wegen der zu erwartenden erheblichen Kosteneinsparungen durch biologische Automation, Extensivierung und verringertes Produktionsrisiko nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr attraktiv. Sie zeichnet sich durch eine hohe Naturnähe, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz und die Verpflichtung zur konsequenten Umsetzung aus. Es ist daher unserer Ansicht nach das Konzept zur dauerhaft-nachhaltigen und ökologischen Nutzung unserer Wälder nicht nur in Mitteleuropa", so Christoph Hassel, stellv. Landesvorsitzender des BUND Saar.

Eingriffe forstlicher Art in Prozessschutzwäldern erfolgen nach dem Minimum-Prinzip, verbunden mit dem Ziel, die naturnahe Waldwirtschaft zu fördern, die Qualität der verbleibenden Bäume anzuheben und reife Bäume zu ernten. Um diese natürlichen Prozesse beobachten und aus ihnen lernen zu können, werden zehn Prozent der Waldfläche als so genannte Referenzflächen ausgewiesen, auf denen forstliche Eingriffe unterbleiben.

Ziele

In dem rund 950 Hektar großen Revier in Quierschied sollen die waldbaulichen Strategien langfristig weitergeführt, entwickelt, dokumentiert und ausgewertet werden. Die mittel- und langfristige betriebliche Zielsetzung soll unter Beteiligung des BUND Saar erfolgen. Hier sollen die Wirtschaftspläne mit dem BUND abgestimmt werden. Betriebswirtschaftliche Ergebnisse und waldbauliche Entwicklungen werden im Rahmen der bestehenden Informationssysteme dokumentiert und dem BUND zeitnah zur Verfügung gestellt. 

 

 

Wald und Klimawandel

Palmenhaine an der Nordsee? Schimpansen im Hochwald? Tropische Gestade an der Saar? So mancher würde sich freuen! Doch realistisch: Was erwartet den heimischen Wald im Klimawandel?Bereits jetzt befinden wir uns mitten im Klimawandel. Die Temperaturen steigen, die Winter werden milder, die Vegetationszeit hat sich verlängert. Das hat durchaus positive Folgen, denn die Bäume wachsen schneller und binden mehr Kohlendioxid. Doch die negativen Auswirkungen überwiegen: Heiß und trocken werden die Sommer der Zukunft werden. Zwar fallen nicht viel weniger Niederschläge, aber heftige Regengüsse werden sich häufen. Von Starkregen können die Bäume weniger profitieren, denn auf trockenen Böden fließen Sturzregen stärker oberflächlich ab, und es kommt zu Bodenerosion, vor allem in Hanglagen. Wärmeperioden im Winter täuschen den Frühling vor. Die Bäume treiben aus und sind damit Spätfrösten schutzlos ausgesetzt. Eine Erwärmung des Klimas kann auch bedeuten, dass den Wald schädigende Insekten in milden Wintern Massenpopulationen ausbilden oder dass fremde Schadinsekten einwandern, die keine natürlichen Feinde hier haben. Zudem werden Extremereignisse immer wieder Rückschläge für die Wälder bringen: Zu Trockenzeiten und Hitzewellen kommen Stürme, Windwurf, Waldbrände und Hagelschlag. Der Klimawandel schwächt den Wald und macht ihn anfälliger, eine Spirale, die sich nach unten dreht.

 

Waldzustand im Saarland

Laut letztem Waldzustandsbericht für das Saarland (2007) sind unsere Wälder dramatisch geschädigt. Zwar ist die Luftverschmutzung geringer geworden und man hätte schon fast davon ausgehen können, dass sich die Bäume erholen - wäre nicht der trocken-heiße Sommer 2003 gewesen. Auch in den Folgejahren gab es Extremereignisse: Rekordniederschläge 2006, einen trocken-heißen April 2007, den wärmsten bisher gemessenen Winter 2006/2007. Der Anteil von nicht geschädigten Bäumen ist von ca. 50 Prozent in 2002 auf nur noch ca. 15 Prozent bis 2007 gesunken. Zwar hat sich der Wald in den letzten Jahren wieder etwas erholt. Der Verlauf zeigt aber drastisch, dass der Wald für solche Extremereignisse nicht gerüstet ist. Wenn trocken-heiße Jahre wie in 2003 häufiger vor kämen, hätten wir ein Problem.

 

Wandel der Waldökosysteme

Wenn genügend Zeit für eine na-türliche Anpassung zur Verfügung stünde, würde es einen allmählichen Wandel in den Waldökosystemen geben. Wärmeliebende und trockentolerante Arten (Esskastanie, Flaumeiche, heimische Stieleiche, Hainbuchen, Feldahorn) würden stärker Fuß fassen. Arten, die einen Schwerpunkt in alpinen und montanen Bereichen haben, werden es bei uns sehr schwer haben (Fichte, Lärche). Auch sturm- und trockenempfindliche Flachwurzler (Fichte) werden kaum eine Chance haben. So ist die Fichte bereits erstes Opfer des Klimawandels, vor allem in trockenen Lagen: Bestände, die Windwurfkatastrophen überstanden haben, sind durch Luftschadstoffe geschwächt, wurden während der Sommertrockenheit 2003 weiter geschädigt und in großer Zahl von Borkenkäfern dahingerafft.

 

Naturnaher Waldbau als Klimaschutzstrategie

Das Saarland liegt im Kern-verbreitungsgebiet der Buche. Hier ist sie besonders vital und an ein weites Spektrum von Umweltfaktoren angepasst. Besonders in naturnahen Beständen sind Buchenwälder robust und können dem Klimawandel durchaus Stand halten. Naturnähe bedeutet in unseren Laubwäldern eine Vielfalt an Arten und Altersklassen. Artenreichtum wieder-um erhöht die Selbstregulation, die wesentlich höher ist als in naturfernen Monokulturen. Das Ansiedeln passender, z.B. trockenresistenter Arten passiert von selbst. Deshalb ist die Förderung von naturnahen Beständen so wichtig für die Zukunft. 

 

CO2 Speicher oder CO2-Quelle?

Ob unsere Wälder überleben, hängt aber vor allem von der Stärke des Klimawandels ab. Eine leichte Erwärmung (Weltklimarat IPCC: bis 2 Grad) ist durchaus noch zu verkraften. Aber bei einem "gefährlichen" Klimawandel (über 2 Grad) kann das ganz anders aussehen. Die Bäume mit ihren langen Lebenszyklen können mit rasanten Veränderungen nicht Schritt halten. Zur Zeit sind die Wäldern noch riesige Kohlenstoffspeicher. Wenn der Wald aber Schaden nimmt, dreht sich dies um: Schwache und abgestorbene Bäume setzen den Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre frei. So kann es passieren, dass die Wälder zur CO2-Quelle werden und den Klimawandel weiter galoppieren lassen. Die naturnahe Bewirtschaftung der Wälder ist richtig und wichtig, ihre Wirkung hat aber ihre Grenzen. Für den Erhalt unserer grünen Lungen ist ein radikaler Wandel im Umgang mit Energie unerlässlich.  

Wald als Lebensraum

Lebensraum für viele Spezialisten - Der Wald besteht nicht nur aus Bäumen

Der Wald bietet zahlreichen Tieren und Pflanzen besondere Lebensbedingungen. Das Mikroklima ist ausgeglichener als im Offenland. Die Unterschiede zwischen den höchsten und den niedrigsten Temperaturen sind deutlich geringer als auf Feld und Acker. Die Feuchtigkeitswerte unterliegen nicht der hohen Variabilität einer Wiese. Durch das Blätterdach und die Schatten werfenden Stämme und Äste ist es im Wald dunkler als außerhalb. Gerade das Holz bietet zahlreichen Arten Lebensraum, die außerhalb des Waldes nicht existieren könnten. Aber auch der meist feuchte Boden und die Blätter der Bäume sind für ein funktionierendes Ökosystem von hoher Bedeutung. Im Folgenden ein Blick auf Tiergruppen, die nicht so bekannt sind wie Reh, Wildschwein oder Wildkatze.

Der Wald ist mehr als nur Holz. Und Holz ist nicht gleich Holz. Viele der holzbewohnenden (xylobionten) Insekten sind auf wenige Gehölzarten oder Waldtypen spezialisiert. So ist der tagaktive Nachtfalter Nagelfleck eine Charakterart der Buchenwälder, da sich seine Raupen überwiegend von Buchenblättern ernähren. Der Grubenhalsbock (Arhopalus rusticus (Linné, 1758)) ist nur im Nadelwald zu finden, wohingegen der Eichenheldbock (Cerambyx cerdo Linné, 1758) in Mitteleuropa ausschließlich an Eichen lebt. Rüssel- und Blattkäfer sind ebenfalls häufig an eine oder wenige Pflanzenarten gebunden, wie der Eichenerdfloh (Altica quercetorum Foudras, 1860) oder der Erlenblattkäfer (Agelastica alni (Linné, 1758)). Ihr Lebensraum in den Wäldern ist neben der Krautschicht vor allem der Kronenbereich.  Wesentlich für das Vorkommen von Gliedertieren ist jedoch nicht nur die Gehölzart. In vielen Fällen sind die Tiere von der Zersetzungsphase des Holzes abhängig. Nur wenige Käfer dringen in gesundes Holz ein. Hierzu zählen der auch in Deutschland eingeschleppte Citrus- und der Asiatische Laubholzbock. Unter der Rinde meist kranker Bäume entwickeln sich viele Käferarten, darunter Borkenkäfer, einige Schwarzkäfer der Gattung Corticeus oder der Raub-Plattkäfer (Uleiota planata (Linné, 1761)) häufig in großer Zahl. Der Rostbraune Plattkäfer (Pediacus depressus (Herbst, 1797)) lebt ausschließlich unter Eichenrinde. Zur Larvenentwicklung benötigt eine hohe Zahl von Insekten und anderen kleinen Tieren den Mulm von Baumhöhlen oder abgestorbenen Bäumen. Doch auch Mulm ist nicht gleich Mulm. Hierbei hängt es von der Baumart, den Feuchtigkeitsverhältnissen und dem Zersetzungsgrad ab, welche Lebensgemeinschaft sich entwickelt.

Bereits an der Form des Käfers ist der Lebensraum gelegentlich erkennbar. So sind die unter der Rinde lebenden Plattkäfer stark abgeflacht. Borkenkäfer und andere holzbewohnende Arten besitzen als erwachsene Käfer charakteristische Flügeldeckenenden, mit denen sie beim Rückwärtskriechen Bohrmehl und Exkremente aus den Fraßgängen hinausschieben. Die Larven holzfressender Arten haben einen sehr großen Darm mit einer reichen Bakterienflora, die das Lignin für den Käfer aufspaltet. Beispiele hierfür sind die Hirsch-, Nashorn- und Rosenkäfer.

Nicht nur auf dem Waldboden wachsen Pilze. Sie zersetzen totes organisches Material. An stehendem Totholz sitzen Schwefelporling oder Zunderschwamm, worin sich wiederum Käfer entwickeln. Hierzu zählen zum Beispiel die Familie der Baumschwammkäfer (Ciidae) und einige Schwarzkäfer (Bolito-phagus, Platydema u.a.). Wie beim Mulm, so sind auch bei den Pilzen mikroklimatische Faktoren für die Besiedlungsmöglichkeiten durch Insekten maßgebend. Im Waldesinnern zersetzen sich die Pilze deutlich schneller als an Lichtungen, Wegen und Waldrändern.

Auf und im Waldboden leben die Zersetzer (Destruenten) und viele räuberisch lebende Insekten. Zu den Gruppen, die tote organische Substanzen abbauen, zählen neben den Regenwürmern, Schnecken und Asseln auch der lila glänzende Mistkäfer (Anoplotrupes stercorosus (Scriba, 1791)), dem die wichtige Aufgabe des Abbaus von Säugetierkot zukommt. Die meisten Laufkäfer und Kurzflügelkäfer jagen Insekten, Spinnen, manchmal auch Schnecken. In Jahren, in denen Raupen des Schwammspinners (Lymantria dispar (Linné, 1758)) Baumkronen kahlfressen, kommt der dann zahlreiche Kleine Puppenräuber (Calosoma inquisitor (Linné, 1758)) auf seine Kosten, der in Eichenwäldern nicht nur am Boden, sondern auch auf den Bäumen den Raupen nachstellt.

Der dichte Wald ist kein abgeschlossener Lebensraum. Es existieren zahlreiche Wechselwirkungen zum offenen Land. Wärmeliebende Gehölzkäfer sind an sonnigen Waldrändern anzutreffen. Einige Käferarten, so der Schmalbock (Stenurella nigra (Linné, 1758)), der Glänzender Eckschild-Prachtkäfer (Anthaxia nitidula (Linné, 1758)) und der zu den Blatthornkäfern gehörende Stolperkäfer (Valgus hemipterus Linné, 1758), entwickeln sich im Holz und benötigen als erwachsene Käfer Blüten als Nahrungsgrundlage. In durchgängig dunklen Wäldern gibt es für sie keinen geeigneten Lebensraum. Sie benötigen Wälder mit offenen, blütenreichen Stellen. Diese können sich auf Windwurfflächen, unter freigehaltenen Hochspannungsleitungen oder am Rande breiter Waldwege befinden. Nicht nur Käfer brauchen offene Flächen im Wald. Auch unter den Schmetterlingen befinden sich Arten, die Wälder benötigen, in denen das Sonnenlicht auf den Boden fällt: die Lichtwaldarten, von denen einige, z.B. der Braune Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis (Esper, 1779)), vom lokalen Aussterben bedroht sind.

Der Lebensraum Wald ist ein hochkomplexes System. Viele Zusammenhänge sind darin noch unbekannt. Auch im Saarland sind noch viele Fragen offen. So sind neben vielen anderen Gruppen im Wald selbst die Käfer, die größte Ordnung im Tierreich, im Saarland noch nicht ausreichend erforscht. Es fehlen vor allem langfristig angelegte Forschungen über die Entwicklung von Lebensgemeinschaften in den saarländischen Wäldern, insbesondere in den Naturwaldzellen/Totalschutzgebieten und zum Vorkommen bestimmter Leitarten. In anderen Regionen Deutschlands ist man bereits weiter. So wurden im Steigerwald die Vögel, Pilze, Landschnecken und auch die xylobionten Käfer untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei allen Organismengruppen steigt der Anteil der Naturnähe anzeigenden Arten im "intensiven Wirtschaftswald" über "naturschutzorientierte Waldwirtschaft" zum "absoluten Nutzungsverzicht und Prozessschutz" stark an. Wobei die Vögel aufgrund ihrer hohen Mobilität neu entwickelte adäquate Biotope rascher besiedeln können als die anderen Gruppen.

Ungefähr ein Viertel der fast 6.000 in Mitteleuropa vorkommenden Käferarten lebt an Holz oder an Holzpilzen. Von dieser Gruppe gelten rund 60 Prozent als gefährdet oder ausgestorben. Um diesen Arten dauerhaft Lebensraum zu erhalten, sind mehrere Maßnahmen im Wald von großer Bedeutung:
- Ein hoher Anteil an Alt- und Totholz soll auch im Wirtschaftswald verbleiben. Da stehendes Totholz andere Insektengemeinschaften beherbergt als liegendes, sind beide Strukturen wichtig. In älteren Laubwäldern müssen mindestens 20 Prozent des Vorrates auf der Fläche verbleiben und als Biotopbäume in den nachfolqenden Bestand einwachsen.
- Konsequente naturnahe, prozessschutzorientierte Bewirtschaftung, welche ein Mosaik von Waldentwicklungsstadien, insbesondere Alterungs- und Zersetzungsphasen, schafft.
- Windbruchflächen sollen nicht sofort wieder aufgeforstet werden. Sie sind Lichtoasen mit einer blütenreichen Ruderalvegetation, die vielen Insekten Lebensraum bieten.
- Gebrochene und vom Blitz gespaltene Stämme weisen zahlreiche Fugen auf, in denen sich holzbewohnende Arten aufhalten können. Diese Stämme dürfen nicht entfernt werden.
- Monokulturen, insbesondere von Fichten, sollen durch naturnahe Mischwälder ersetzt werden.
- Im Rahmen eines Biotopverbundsystems dürfen die Einzelflächen eine Größe von 50 ha nicht unterschreiten.

Der SaarForst Landesbetrieb als Bewirtschafter von rund 40.000 Hektar Staatswald legt in seiner kürzlich vorgelegten regionalen Biodiversitätsstrategie für den Teilbereich der subatlantischen Buchenwälder unter anderem einen Schwerpunkt auf die Förderung von Alt- und Totholzbiozönosen. Als Leit- und Reliktart für Buchen-Urwälder werden die Käfer Eremit (= Juchtenkäfer, Osmoderma eremita (Scopoli, 1763)), Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus (Müller, 1821)) und Hirschkäfer (Lucanus cervus (Linné, 1758)) benannt. Erreichen will man deren Schutz mit zwei Teilstrategien:
- Sicherung der noch vorhandenen Resthabitate mit Urwald-Reliktarten und Vernetzung dieser Bereiche mit (relikt-)artenarmen Bereichen.
- Nachhaltiges Angebot von Biotopholz auf der gesamten übrigen Fläche.

Ob diese Strategien ausreichen werden, um die Lebensgemeinschaften zu schützen, wird sich in der Zukunft zeigen. Steht doch der Wald in dem Spannungsfeld der Frage, wie viel Holz genutzt und dem Ökosystem entnommen werden darf und wie viel Biomasse der Wald braucht, um die Lebensgemeinschaften von Altbeständen und Totholz zu sichern. Und dies angesichts stark gestiegener jährlicher Zuwachsraten von bis zu 11 Festmeter je Hektar im Wald, wie dies erste Ergebnisse der Stichprobeninventur für den Staatswald zeigen. Hinzu kommt aufgrund der hohen Energiepreise ein wahrer Brennholzboom. Geht man heute vor allem im siedlungsnahen Wald spazieren, fällt einem auf, wie wenig Totholz noch im Wald vorhanden ist. Jedes noch so kleine Stöckchen scheint im nächsten Holzofen zu landen.
Es wird daher eine sehr spannende Diskussion werden, mit welcher Intensität wir zukünftig unsere Wälder nutzen wollen. Der Wald besteht eben nicht nur aus Bäumen. 

Saarland Buchenland

Subatlantische Buchenwälder - Saarland mit regionaler Verantwortung

Deutschland trägt auf nationaler und internationaler Ebene besondere Verantwortung für den Erhalt und Entwicklung von Buchenwald-Ökosystemen. Dabei übernimmt das Saarland mit seiner zentralen Lage im Verbreitungsgebiet der subatlantischen Rotbuchenwälder eine besondere Verantwortung. Von den staatlichen Wirtschaftswäldern im Saarland werden 30 Prozent als Buchenwälder definiert, die jedoch hinsichtlich Dynamik, Struktur und Arten Defizite aufweisen. Insbesondere sind kaum mehr Altbaumbestände mit Alterungs- und Zerfallsphasen zu finden.
Der SaarForst Landesbetrieb (SFL) hat im März 2008 eine regionale Biodiversitätsstrategie für die subatlantischen Buchenwälder vorgelegt. Im Gespräch dazu der damalige Ltd. Forstdirektor Michael Klein, Leiter des SaarForst Landesbetriebes.

Wo liegen die Schwerpunkte in der regionalen Biodiversitätsstrategie für den Teilbereich subatlantische Buchenwälder, was will man besonders schützen?

Der Wald erlangt wieder zunehmend Bedeutung als Rohstoffquelle. Der Rohstoff Holz erlebt sowohl als global gehandelter Rohstoff als auch als regionale Energiequelle eine Renaissance. Der Nutzungsdruck auf den Wald wird voraussichtlich in den nächsten Jahren zunehmen. Um die Biodiversität, d.h. die natürliche Vielfalt der Wälder zu sichern und ggfs. zu entwickeln, müssen Strategien umgesetzt werden, die es ermöglichen, die Buchenwälder ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu bewirtschaften.

Der SaarForst Landesbetrieb hat - bisher als einziger staatlicher Forstbetrieb in Deutschland - eine regionale Biodiversitätsstrategie für den Bereich der subatlantischen Buchenwälder entwickelt und in seine Waldbewirtschaftungsrichtlinien übernommen. Ziel der Strategie ist es, den segregativen Ansatz des Naturschutzes in Form der Ausweisung von Schutzgebieten durch einen integrativen Ansatz - Naturschutz auf ganzer Fläche - zu ergänzen. Das von SaarForst entwickelte nachhaltige Bewirtschaftungsmodell erhält und entwickelt besondere schützenswerte Waldstrukturen.
Schwerpunkte sind:

  • die Integration der Alterungs- und Zerfallsphasen des Buchenurwaldes in den Wirtschaftswald. Im Fehlen dieser Entwicklungsprozesse und ihrer Strukturelemente mit den daran gebundenen Arten zeigt sich am deutlichsten die Naturferne der heutigen Wirtschaftswälder,
  • die Sicherung und Vernetzung von Waldbereichen, in denen sich Buchenwald-Reliktarten und Buchenurwaldarten halten konnten,
  • die Renaturierung der Fließgewässer und Feuchtwälder,
  • die Sicherung der Artengemeinschaft der Lichtwaldarten durch die Schaffung von Ersatzlebensräumen, eingebettet in die naturnah bewirtschafteten Wälder.

Wie will man die Anwendung der Strategie in der Fläche sicherstellen?

An erster Stelle ist die Waldbewirtschaftungsrichtlinie für das Saarland zu nennen, die bereits eine breite ökologische Grundlage besitzt und erst kürzlich auch um die Aspekte der regionalen Biodiversitätsstrategie ergänzt wurde. Richtlinien alleine reichen aber nicht aus. Zentrales Element sind hier die Mitarbeiter des SaarForst Landesbetriebes, welche auch die Inhalte der Biodiversitätsstrategie bei der Bewirtschaftung der Wälder berücksichtigen und durch konkretes Handeln umsetzen müssen.
Aus diesem Grund werden umfangreiche Schulungsmaßnahmen vor allem für die in der Fläche arbeitenden Kollegen (Revierleiter, Waldarbeiter) durchgeführt, zum Beispiel wie regionale Biodiversitätsstrategie in der forstlichen Praxis konkret umzusetzen ist.

Mit der letzten Forstreform fanden ja auch ein gewisser Personalabbau und damit verbunden auch Vergrößerung der Reviere sowie eine stärkere Funktionalisierung einzelner forstlicher Aktivitäten statt. Ist vor diesem Hintergrund eine Umsetzung in der Fläche besonders schwer?

Richtig ist, dass mit der Forstreform 2005 einige strukturelle Veränderungen im SaarForst einhergingen wie z.B. die Auflösung der Regionalbetriebe, die Vergrößerung der Reviere und die Verlagerung von mehr Verantwortung in die Fläche, d.h. ins operative Geschäft. Unverändert blieb aber nach wie vor die Zielsetzung von SaarForst, auf anerkannt hohem ökologischen Niveau starkes und hochwertiges Holz zu produzieren. Die dokumentierte Einhaltung der Standards der von SaarForst gewählten Zertifizierungssysteme FSC und PEFC belegt dies. Es wäre auch ein Trugschluss, anzunehmen, dass sich waldökologische und ökonomische Ziele einander ausschließen. Natürliche Prozesse sind häufig ausgesprochen ökonomisch und über die damit verbundenen Rationalisierungspotenziale geradezu der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gewinnerwirtschaftung bei gleichzeitig hohen ökologischen Standards.

Wie soll die Umsetzung der Strategie kontrolliert werden, woran will man die erfolgreiche Umsetzung festmachen?
Für das Controlling existieren verschiedene Elemente:

  • die Staatswaldinventur, bei der über Sonderauswertungen auch ökologische Parameter erhoben wurden, welche bei einer Folgeinventur Entwicklungen aufzeigen werden,
  • die periodische Betriebsplanung (Waldbiotopkartierung und klassische Forsteinrichtung,
  • das einzelfallweise Controlling durch die Stabsstelle für Waldökologie und Nachhaltigkeit beim SFL,
  • durch Datenerhebungen externer Stellen wie bspw. das Zentrum für Biodokumentation beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, welches im Rahmen der FFH-Berichtspflichten Datenerhebungen zu Strukturen und Flora sowie Fauna durchführt.


Ein Thema, das hier eine wesentliche Rolle spielt, ist bisher noch gar nicht zur Sprache gekommen, nämlich die Jagd. Wie will man dieses Thema anpacken angesichts landesweit zu beobachtenden Entmischungstendenzen in der Baumartenzusammensetzung durch überhöhte Wildbestände?

Der SaarForst-Geschäftsbereich Jagd wird einer organisatorischen Neuausrichtung unterzogen werden. Die Überlegungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen, so dass über die geplanten Änderungen im Bereich der Jagd derzeit noch keine definitiven Aussagen gemacht werden können.
Die Jagd im SaarForst hat zur Aufgabe, die Erreichung der waldbau-lichen Ziele (z.B. die Verjüngung artenreicher Waldbestände) sicher zu stellen. Insofern ist die Jagd integraler Bestandteil der biologischen Produktion. Dass sich die Jagd in einem eigenen Geschäftsfeld wieder findet, hat damit zu tun, dass über die Hälfte der Staatswaldflächen von Jagdgästen bejagt wird (verpachtete Flächen und Pirschbezirke).
 
Es bleibt festzuhalten, dass die Jagdausübung in erster Linie im Fokus waldbaulicher Notwendigkeiten und erst in zweiter Linie unter rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten organisiert wird. 

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