Laudation Hardy Welker: Verleihung der Paul-Haffner-Naturschutzmedaille
Hardy Welker wurde am 05.04.1951 in Homburg Saar geboren und arbeitete als Diplom- Betriebswirt lange auch in Industriebetrieben außerhalb des Saarlandes. Dabei war die Natur immer schon Ausgleich und Rückzugsort für Ihn den es zu bewahren galt und als Saarländer war er seiner Heimat stets verbunden.
Seit seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Homburg im Jahr 2012 widmet sich Hardy Welker mit herausragendem ehrenamtlichen Engagement verschiedenen Projekten im praktischen Naturschutz. Er baut mit Kindern Meisenkästen und informiert sie zu Vogel-und Tierschutz. Er sucht nach Trittsiegeln und Nachweisen für streng geschützte Arten und die Rückkehr des Fischotters ins Saarland. Dabei unterstützt er mit großem persönlichem Einsatz den praktischen Naturschutz und scheut keine Kosten und Mühen, um mit der Wildkamera Nachweise zu erreichen. Die Kosten trägt er dabei selbst und muss es leider immer wieder hinnehmen, dass durch Vandalismus die Kameras und auch Naturorte, sowie Tiergelege zerstört werden. Er gibt aber nicht auf und versucht Bewusstsein zu schaffen, die Natur und Schöpfung zu bewahren.
Er ist aktives Mitglied des BUND Saar in der BUND Regionalgruppe Bliesgau und ebenso als 2. Vorsitzender im NABU Homburg engagiert.
Seine Nachweise streng geschützter Arten sind ihm im Naherholungsgebiet Mastau und entlang der Blies gelungen, weil er diese Räume als Heil-und Ruheort für Mensch und Natur empfindet in denen er sich auch gerne aufhält.
Beispiele sind:
Nachweis einer stabilen Wildkatzen-Population im Naherholungsgebiet Mastau, und ihre erstmalige Dokumentation durch Videoaufnahmen.
Ebenso gelang ihm die Wiederentdeckung und Dokumentation von Bibern und Schwarzstörchen im Homburger Raum. Er ist aktives Mitglieder der Biber AG unter Führung des ZfB (Zentrum für Biodokumentation), wo er seit 2024 als ehrenamtlicher Kartierer mitwirkt. In diesem Zusammenhang gelang ihm als Erstem der Nachweis zweier Fischotter in der Blies (2022). Seitdem ist der Otter sein „Herzenstier“ und er hat in sehr kurzer Zeit internationale Kontakte nach Frankreich, in die Schweiz und die BeNeLux-Länder geknüpft und steht im regen Austausch mit Fischotterfreunden in der ganzen Welt und auch in Deutschland. Enge Bande und Informationsaustausche finden mit dem BUND Arbeitskreis Fischotterschutz in Mecklenburg Vorpommern statt.
An der Blies sind Hardy Welker bereits über 95 verwertbare, davon mehrere per DNA bestätigte, Nachweise gelungen und auch einige Live Sichtungen. Dies ist für „Otter-Spotter“ ein Highlight, da es vielen erfahrenen Suchern, bisher nicht gelungen ist diese scheuen und nachtaktiven Tiere zu sichten.
Seine Daten und Informationen fließen in saarländische Fachstudien (Saarland Artenreich,
Flora-Fauna-Habitat-Dokumentationen) ein und sind auch immer sehr willkommen in der Ottercommunity, in der Hardy Welker bereits bundesweit als Fachmann zu Thema Otter gilt. Ganz der saarländischen, unkomplizierten Art entsprechend hilft er mit Rat und Tat auch den Kolleg*innen in Frankreich und Belgien bei Fragen und potentiellen Sichtungen und Funden weiter und pflegt die Kontakte zu anderen Otterbegeisterten.
Seine Wander-Ausstellung zur Rückkehr des Fischotters, die er als Initiator und Gestalter ins Leben rief, stieß in verschiedenen Gemeinden im Saarland und weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus auf besondere Beachtung und großes Lob. Über seine Funde und die Eröffnung der Ausstellung wurde im Otterjournal und in der Presse vielfach berichtet. Dennoch ist Hardy Welker ganz auf dem Teppich geblieben und ein sympathischer hilfsbereiter Otterfan, der stundenlang erzählen und berichten könnte, aber den Gang in die Natur dem ganzen Aufhebens um seine Person vorzieht.
Leicht vergisst man über die Otterthematik, dass Hardy Welker zu ganz verschiedenen Themen ehrenamtliche Fachvorträge und Schulungen für Naturschutzgruppen, sowie auch für Schulen und Kindergärten hält und praktische Beispiele gibt, sowie Baumaßnahmen (Meisenkästen/Insektenhotels) durchführt, wie zum Beispiel die natürliche Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners durch Meisenkästen – erfolgreiche dauerhafte Lösung auf einer stark betroffenen Veranstaltungs-/Besucherfläche.
Ihm ist die Errichtung von 12 interaktiven Schautafeln in der Mastau, die Kindern die heimische Tierwelt spielerisch vermitteln sollen zu verdanken. In Exkursionen und auf Demos setzt er sich aktiv und regelmäßig für den Erhalt der Natur und dieser Fläche ein. Er übt sich in der Förderung der Biodiversität durch Insektenhotels und großflächige Blühflächenanlagen und Ihm gelang der Nachweis geeigneter Habitate für den Großen Wiesenknopf, die als Grundlage für die Ausweisung neuer Naturschutzflächen und zum Schutz des Wiesenknopf-Ameisenbläulings entscheidend war.
Hardy Welker initiiert und beteiligt sich an praktischen Maßnahmen wie der Errichtung von Ruhebänken, Hinweistafeln in höher frequentierten Spazier-und Wandergebieten im Saarpfalzkreis und beteiligt sich aktiv bei verschiedenen Veranstaltungen wie Clean up und Saarland Piccobello, um gegen Vermüllung vorzugehen, dazu bietet er auch immer wieder Umweltbildungsangebote an.
Hardy Welker ruht sich nicht aus auf seinen Lorbeeren. Er ist auch ein Visionär.
Kurz nach Bekanntgabe seiner Preisträgerschaft wendete er sich mit der Idee und dem Vorschlag zur Einrichtung eines Kompetenz- und Schulungszentrums „Fischotter“ im Saarland an den BUND Saar, da Ihm von verschiedenen Stellen in Deutschland und auch den Otterfreunden der saarländischen Grenzregion, zu denen er regelmäßig in Kontakt steht, die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung für Kontaktaufnahme, Vernetzung und Schulung als dringend vermittelt wurde.
Ein Mangel an Fachwissen zum Otter zeigt sich nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern auch bei relevanten Akteursgruppen wie Jägern, Fischern und selbst der Naturwacht und den Mitarbeitern im ZfB, der Fachabteilung des Umweltministeriums. Dies ist nachvollziehbar, denn der Fischotter ist ein „neues“ Tier im Saarland, Frankreich und Belgien, dessen Wiederkehr bislang nur wenige Menschen fachlich begleiten können. Es mangelt weniger an Expertise als vielmehr an der Akzeptanz, Bekanntheit und Sichtbarkeit dieser Fachleute. Oft wird teuer externes Wissen eingekauft, das zum Beispiel im Saarland mit Hardy Welker selbst kostengünstig und praxisnah verfügbar wäre.
Die Verleihung der Paul-Haffner-Naturschutzmedaille bringt da hoffentlich bereits eine erste Abhilfe.
Ein „internationales“, saarländisches Kompentenzzentrum könnte dabei landesübergreifend Abhilfe schaffen und dem Saarland auch in der Öffentlichkeit andere Aufmerksamkeiten als bisher bescheren, ebenso wie Lob und Anerkennung.
Dr. rer. nat. Wolfgang Gettmann, ebenfalls aus dem Saarland stammend, gilt als einer der ersten „Fischotter-Päpste“ Deutschlands und wurde durch seine intensive Arbeit sowie durch den bekannten Fischotter Nemo bundesweit bekannt. Er zeigte sich von der Kompetenz, dem Vortrag von Hardy Welker, der Wanderausstellung und der Idee dahinter so begeistert, dass er bereit wäre, sich gegen eine entsprechende Spendenquittung von seinen „Fischotterschätzen“, einer umfangreiche Sammlung von Replikaten, Trophäen, Anschauungsmaterialien, Fachliteratur und weiteren wertvollen Exponaten rund um den Fischotter, zu trennen und diese dem BUND Saar zur Verfügung zu stellen. Ein geplantes Kompetenzzentrum könnte auf einen Schlag zu einer fachlich hochkarätigen und zugleich erlebnisreichen Ausstellung werden, die Fachwelt und Bevölkerung gleichermaßen anspricht. Der BUND Arbeitskreis Fischotterschutz aus Mecklenburg Vorpommern und der Geschäftsführer des BUND Bayern haben bereits zugesagt, den BUND Saar und Hardy Welker dabei zu unterstützen, diese Ausstellung und ein Kompetenzzentrum durch die Möglichkeit zum Erstellen und Einführen von Otterpräparationen bei Ottertotfunden zu unterstützen.
Sie sehen Hardy Welker verbindet in einzigartiger Weise wissenschaftlich fundierte Artenschutzarbeit, innovative und praxisorientierte Naturschutzprojekte, herausragendes Engagement in Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit für das Saarland und darüber hinaus. Dabei zeichnen ihn eine herzliche Wärme, ein feiner Sinn für Humor, eine empathische Auffassungsgabe und eine pragmatische Problemlösungsfähigkeit aus.
Er ist stets sowohl für Anfragen zu fachlichen Themen als auch zu Vorträgen, ob für Schüler oder Fachpersonal, ansprechbar und das Wort „nein“ oder der Satz „ich kann nicht“ ist kaum in seinem Vokabular zu finden.
Mit seinem Wirken hat er dem saarländischen Naturschutz in den vergangenen Jahren
unschätzbare Impulse gegeben und dies wird er auch in Zukunft mit ganzen Herzen, wachem Verstand und aktiver Schaffenskraft tun.
„Herr Welker, Sie haben dem saarländischen Naturschutz mit Ihrem Wirken in den vergangenen Jahren wertvolle Impulse gegeben. Wir wünschen Ihnen noch viele interessante Beobachtungen – nicht nur zum Fischotter-und sind schon gespannt auf das geplante Otter-Zentrum, für das Sie mit dem BUND Bayern und Dem BUND Mecklenburg Vorpommern bereits in engem Kontakt stehen. An Sie geht die Paul-Haffner-Naturschutzmedaille 2025 mit herzlichen Glückwünschen!“
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