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Auswirkungen der Klimaerwärmung: Wald im Wandel

Palmenhaine an der Nordsee? Schimpansen im Hochwald? Tropische Gestade an der Saar? So mancher würde sich freuen! Doch realistisch: Was erwartet den heimischen Wald im Klimawandel?Bereits jetzt befinden wir uns mitten im Klimawandel. Die Temperaturen steigen, die Winter werden milder, die Vegetationszeit hat sich verlängert. Das hat durchaus positive Folgen, denn die Bäume wachsen schneller und binden mehr Kohlendioxid. Doch die negativen Auswirkungen überwiegen: Heiß und trocken werden die Sommer der Zukunft werden. Zwar fallen nicht viel weniger Niederschläge, aber heftige Regengüsse werden sich häufen. Von Starkregen können die Bäume weniger profitieren, denn auf trockenen Böden fließen Sturzregen stärker oberflächlich ab, und es kommt zu Bodenerosion, vor allem in Hanglagen. Wärmeperioden im Winter täuschen den Frühling vor. Die Bäume treiben aus und sind damit Spätfrösten schutzlos ausgesetzt. Eine Erwärmung des Klimas kann auch bedeuten, dass den Wald schädigende Insekten in milden Wintern Massenpopulationen ausbilden oder dass fremde Schadinsekten einwandern, die keine natürlichen Feinde hier haben. Zudem werden Extremereignisse immer wieder Rückschläge für die Wälder bringen: Zu Trockenzeiten und Hitzewellen kommen Stürme, Windwurf, Waldbrände und Hagelschlag. Der Klimawandel schwächt den Wald und macht ihn anfälliger, eine Spirale, die sich nach unten dreht.

 

Waldzustand im Saarland

Laut letztem Waldzustandsbericht für das Saarland (2007) sind unsere Wälder dramatisch geschädigt. Zwar ist die Luftverschmutzung geringer geworden und man hätte schon fast davon ausgehen können, dass sich die Bäume erholen - wäre nicht der trocken-heiße Sommer 2003 gewesen. Auch in den Folgejahren gab es Extremereignisse: Rekordniederschläge 2006, einen trocken-heißen April 2007, den wärmsten bisher gemessenen Winter 2006/2007. Der Anteil von nicht geschädigten Bäumen ist von ca. 50 Prozent in 2002 auf nur noch ca. 15 Prozent bis 2007 gesunken. Zwar hat sich der Wald in den letzten Jahren wieder etwas erholt. Der Verlauf zeigt aber drastisch, dass der Wald für solche Extremereignisse nicht gerüstet ist. Wenn trocken-heiße Jahre wie in 2003 häufiger vor kämen, hätten wir ein Problem.

 

Wandel der Waldökosysteme

Wenn genügend Zeit für eine na-türliche Anpassung zur Verfügung stünde, würde es einen allmählichen Wandel in den Waldökosystemen geben. Wärmeliebende und trockentolerante Arten (Esskastanie, Flaumeiche, heimische Stieleiche, Hainbuchen, Feldahorn) würden stärker Fuß fassen. Arten, die einen Schwerpunkt in alpinen und montanen Bereichen haben, werden es bei uns sehr schwer haben (Fichte, Lärche). Auch sturm- und trockenempfindliche Flachwurzler (Fichte) werden kaum eine Chance haben. So ist die Fichte bereits erstes Opfer des Klimawandels, vor allem in trockenen Lagen: Bestände, die Windwurfkatastrophen überstanden haben, sind durch Luftschadstoffe geschwächt, wurden während der Sommertrockenheit 2003 weiter geschädigt und in großer Zahl von Borkenkäfern dahingerafft.

 

Naturnaher Waldbau als Klimaschutzstrategie

Das Saarland liegt im Kern-verbreitungsgebiet der Buche. Hier ist sie besonders vital und an ein weites Spektrum von Umweltfaktoren angepasst. Besonders in naturnahen Beständen sind Buchenwälder robust und können dem Klimawandel durchaus Stand halten. Naturnähe bedeutet in unseren Laubwäldern eine Vielfalt an Arten und Altersklassen. Artenreichtum wieder-um erhöht die Selbstregulation, die wesentlich höher ist als in naturfernen Monokulturen. Das Ansiedeln passender, z.B. trockenresistenter Arten passiert von selbst. Deshalb ist die Förderung von naturnahen Beständen so wichtig für die Zukunft. 

 

CO2 Speicher oder CO2-Quelle?

Ob unsere Wälder überleben, hängt aber vor allem von der Stärke des Klimawandels ab. Eine leichte Erwärmung (Weltklimarat IPCC: bis 2 Grad) ist durchaus noch zu verkraften. Aber bei einem "gefährlichen" Klimawandel (über 2 Grad) kann das ganz anders aussehen. Die Bäume mit ihren langen Lebenszyklen können mit rasanten Veränderungen nicht Schritt halten. Zur Zeit sind die Wäldern noch riesige Kohlenstoffspeicher. Wenn der Wald aber Schaden nimmt, dreht sich dies um: Schwache und abgestorbene Bäume setzen den Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre frei. So kann es passieren, dass die Wälder zur CO2-Quelle werden und den Klimawandel weiter galoppieren lassen. Die naturnahe Bewirtschaftung der Wälder ist richtig und wichtig, ihre Wirkung hat aber ihre Grenzen. Für den Erhalt unserer grünen Lungen ist ein radikaler Wandel im Umgang mit Energie unerlässlich.

 

Quelle: http://www.bund-saar.de/themen_und_projekte/wald/wald_und_klimawandel/