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Subatlantische Buchenwälder - Saarland mit regionaler Verantwortung

Deutschland trägt auf nationaler und internationaler Ebene besondere Verantwortung für den Erhalt und Entwicklung von Buchenwald-Ökosystemen. Dabei übernimmt das Saarland mit seiner zentralen Lage im Verbreitungsgebiet der subatlantischen Rotbuchenwälder eine besondere Verantwortung. Von den staatlichen Wirtschaftswäldern im Saarland werden 30 Prozent als Buchenwälder definiert, die jedoch hinsichtlich Dynamik, Struktur und Arten Defizite aufweisen. Insbesondere sind kaum mehr Altbaumbestände mit Alterungs- und Zerfallsphasen zu finden.
Der SaarForst Landesbetrieb (SFL) hat im März 2008 eine regionale Biodiversitätsstrategie für die subatlantischen Buchenwälder vorgelegt. Im Gespräch dazu der damalige Ltd. Forstdirektor Michael Klein, Leiter des SaarForst Landesbetriebes.

Wo liegen die Schwerpunkte in der regionalen Biodiversitätsstrategie für den Teilbereich subatlantische Buchenwälder, was will man besonders schützen?

Der Wald erlangt wieder zunehmend Bedeutung als Rohstoffquelle. Der Rohstoff Holz erlebt sowohl als global gehandelter Rohstoff als auch als regionale Energiequelle eine Renaissance. Der Nutzungsdruck auf den Wald wird voraussichtlich in den nächsten Jahren zunehmen. Um die Biodiversität, d.h. die natürliche Vielfalt der Wälder zu sichern und ggfs. zu entwickeln, müssen Strategien umgesetzt werden, die es ermöglichen, die Buchenwälder ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu bewirtschaften.

Der SaarForst Landesbetrieb hat - bisher als einziger staatlicher Forstbetrieb in Deutschland - eine regionale Biodiversitätsstrategie für den Bereich der subatlantischen Buchenwälder entwickelt und in seine Waldbewirtschaftungsrichtlinien übernommen. Ziel der Strategie ist es, den segregativen Ansatz des Naturschutzes in Form der Ausweisung von Schutzgebieten durch einen integrativen Ansatz - Naturschutz auf ganzer Fläche - zu ergänzen. Das von SaarForst entwickelte nachhaltige Bewirtschaftungsmodell erhält und entwickelt besondere schützenswerte Waldstrukturen.
Schwerpunkte sind:

Wie will man die Anwendung der Strategie in der Fläche sicherstellen?

An erster Stelle ist die Waldbewirtschaftungsrichtlinie für das Saarland zu nennen, die bereits eine breite ökologische Grundlage besitzt und erst kürzlich auch um die Aspekte der regionalen Biodiversitätsstrategie ergänzt wurde. Richtlinien alleine reichen aber nicht aus. Zentrales Element sind hier die Mitarbeiter des SaarForst Landesbetriebes, welche auch die Inhalte der Biodiversitätsstrategie bei der Bewirtschaftung der Wälder berücksichtigen und durch konkretes Handeln umsetzen müssen.
Aus diesem Grund werden umfangreiche Schulungsmaßnahmen vor allem für die in der Fläche arbeitenden Kollegen (Revierleiter, Waldarbeiter) durchgeführt, zum Beispiel wie regionale Biodiversitätsstrategie in der forstlichen Praxis konkret umzusetzen ist.

Mit der letzten Forstreform fanden ja auch ein gewisser Personalabbau und damit verbunden auch Vergrößerung der Reviere sowie eine stärkere Funktionalisierung einzelner forstlicher Aktivitäten statt. Ist vor diesem Hintergrund eine Umsetzung in der Fläche besonders schwer?

Richtig ist, dass mit der Forstreform 2005 einige strukturelle Veränderungen im SaarForst einhergingen wie z.B. die Auflösung der Regionalbetriebe, die Vergrößerung der Reviere und die Verlagerung von mehr Verantwortung in die Fläche, d.h. ins operative Geschäft. Unverändert blieb aber nach wie vor die Zielsetzung von SaarForst, auf anerkannt hohem ökologischen Niveau starkes und hochwertiges Holz zu produzieren. Die dokumentierte Einhaltung der Standards der von SaarForst gewählten Zertifizierungssysteme FSC und PEFC belegt dies. Es wäre auch ein Trugschluss, anzunehmen, dass sich waldökologische und ökonomische Ziele einander ausschließen. Natürliche Prozesse sind häufig ausgesprochen ökonomisch und über die damit verbundenen Rationalisierungspotenziale geradezu der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gewinnerwirtschaftung bei gleichzeitig hohen ökologischen Standards.

Wie soll die Umsetzung der Strategie kontrolliert werden, woran will man die erfolgreiche Umsetzung festmachen?
Für das Controlling existieren verschiedene Elemente:


Ein Thema, das hier eine wesentliche Rolle spielt, ist bisher noch gar nicht zur Sprache gekommen, nämlich die Jagd. Wie will man dieses Thema anpacken angesichts landesweit zu beobachtenden Entmischungstendenzen in der Baumartenzusammensetzung durch überhöhte Wildbestände?

Der SaarForst-Geschäftsbereich Jagd wird einer organisatorischen Neuausrichtung unterzogen werden. Die Überlegungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen, so dass über die geplanten Änderungen im Bereich der Jagd derzeit noch keine definitiven Aussagen gemacht werden können.
Die Jagd im SaarForst hat zur Aufgabe, die Erreichung der waldbau-lichen Ziele (z.B. die Verjüngung artenreicher Waldbestände) sicher zu stellen. Insofern ist die Jagd integraler Bestandteil der biologischen Produktion. Dass sich die Jagd in einem eigenen Geschäftsfeld wieder findet, hat damit zu tun, dass über die Hälfte der Staatswaldflächen von Jagdgästen bejagt wird (verpachtete Flächen und Pirschbezirke).
 
Es bleibt festzuhalten, dass die Jagdausübung in erster Linie im Fokus waldbaulicher Notwendigkeiten und erst in zweiter Linie unter rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten organisiert wird.

Quelle: http://www.bund-saar.de/themen_und_projekte/wald/saarland_buchenland/