BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Projekt Grüner Wall im Westen

Foto: Dr. Martin Lillig

Befestigungsanlagen als Rettungsinseln: BUND im Saarland und in NRW führen gemeinsames Biotopschutzprojekt entlang alter Westwallanlagen durch.
HELFEN SIE UNS, dieses einzigartige Band von Lebensräumen und die Heimat vieler seltener Tiere und Pflanzen zu erhalten. Bitte unterstützen Sie uns mit einer SPENDE.


Von Kleve bis in die Nähe von Basel zieht sich ein bislang fast unbekanntes Band durch Deutschland, in dem seltene Tiere und Pflanzen Rückzugsgebiete gefunden haben. Es handelt sich um ehemalige Westwallanlagen, die im Auftrag Hitlers zwischen 1938 und 1940 entlang der deutschen Westgrenze errichtet wurden. Militärisch bewirkten die etwa 20.000 (die publizierten Zahlen schwanken zwischen 12.000 und 22.000) Bunker, Geschützstände oder Unterstände und 260 km Höckerlinien und Panzergräben nichts. Der Bevölkerung dienten sie während des Krieges als Schutzbauten bei Luftangriffen. Für die Natur entwickelten sie sich in den vergangenen Jahrzehnten zu Rettungsinseln.
(oben: Bunkeranlage in Rentrisch)

Fernsehbeitrag zum BUND Projekt "Grüner Wall im Westen" ...

Foto: Dr. Martin Lillig

Bereits kurz nach Kriegsende begannen die Alliierten mit der Zerstörung der Befestigungsanlagen. Das Schleifen und Übererden der Bunker dauert bis in unsere Zeit an. Die Behörden begründen dies mit der Verkehrssicherungspflicht.

Der Westwall, der auch Siegfriedlinie genannt wird, durchläuft die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg. Bereits vor einigen Jahren begann der BUND Nordrhein-Westfalen, sich für den Erhalt des Westwalls stark zu machen. Und zwar nicht nur für die aus Sicht des Denkmalschutzes bedeutenden unzerstörten Anlagen, sondern auch für solche, die bereits gesprengt sind. Der BUND NRW kartierte im Bereich Aachen bis Ormont 358 Bunker, in denen bei einer lediglich einmaligen Begehung bei 69 Anlagen der Nachweis von Tieren erbracht wurde. Am häufigsten wurde der Fuchs beobachtet. Aber auch Dachs, Marder, Kleinsäuger, Fledermäuse, Vögel, Amphibien und Reptilien wurden nachgewiesen. Von besonderer Bedeutung sind die Anlagen für die vom Aussterben bedrohte Wildkatze und für zahlreiche gefährdete Fledermausarten. Allein auf dem Truppenübungsplatz Vogelsang nutzen neun Fledermausspezies die teils stark zerstörten Bunker, darunter die Zwergfledermaus, das Große Mausohr, das Braune Langohr und die Fransenfledermaus. Vor allem gesprengte Bunker mit ihren zahlreichen Hohlräumen und Spalten bieten mit der damit zusammenhängenden Strukturvielfalt vielen Arten Unterschlupf.

Foto: Dr. Martin Lillig

Auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes wurden mehr als 4.000 Bunker und 60 km Höckerlinien sowie einige wassergefüllte Panzergräben angelegt. Bis 1948 sprengte das französische Militär etwa 3.200 Bunker. Einige Anlagen sind noch immer weitgehend unversehrt. Der BUND Saarland setzt sich mit Nachdruck für den Erhalt der noch vorhandenen Anlagen ein. Denn entlang dieses Bandes haben auch im Saarland Tier- und Pflanzenarten Rückzugsgebiete gefunden. Manche der Bauten sind bereits geschützt, so der "Fledermausbunker" auf dem Brennenden Berg bei Dudweiler.
(oben: Bunkeranlage am Litermont)
Die Westwallanlagen blieben jahrzehntelang ungenutzt. In der Regel erfolgt keine Bodenbearbeitung, Pestizidanwendung oder Düngung. Bunker können von Landwirten nicht beackert werden. Dies bot zahlreichen Pflanzen und Tieren die Möglichkeit, dort weitgehend ungestört zu überdauern. Zwischen den Höckerlinien entstanden Gebüsche, die, anders als auf den sie umgebenden Ackerflächen, nicht entfernt wurden. Es entwickelte sich, vom Menschen lange Zeit unbemerkt, ein Biotopverbundsystem.

Foto: Dr. Martin Lillig

Seit April 2007 kümmert sich der BUND Saar mit Unterstützung der Saarland-Sporttoto GmbH verstärkt um die Westwallanlagen im Saarland. Bunker und Panzersperren werden kartiert, ihre Tiere und Pflanzen untersucht und hinsichtlich Erhaltungszustand, historischen, denkmalschützerischen und naturschutzfachlichen Gesichtspunkten bewertet. Daraus soll in einer zweiten Phase ein Gesamtkonzept zur Erhaltung und künftigen Nutzung erarbeitet werden.

Das Ziel des Projekts ist die Bewahrung und die beständige Sicherung der Befestigungsanlagen zum Wohle der Natur, aber auch des Menschen:
Der Natur soll die Siegfriedlinie als Grüner Wall, als engmaschiges Biotopverbundsystem, dauerhaft zur Verfügung stehen.

Dem Menschen soll die ehemalige militärische Anlage in dreierlei Weise erlebbar gemacht werden: aus historischen, aus denkmalschützerischer und aus naturkundlicher Sicht.

Vom Kriegsschauplatz zur Naturoase

Der sogenannte Westwall wurde 1938 an der deutschen Grenze zwischen Kleve und Basel errichtet. Nach dem Krieg wurden viele Wehranlagen gesprengt, die übrigen gerieten in Vergessenheit. Heute sind sie für den Naturschutz und den Denkmalschutz von hoher Bedeutung.

Gesprengter Bunker im Wald
Foto: Dr. Martin Lillig

BUND-Aktive vor Ort setzen sich dafür ein, dass die Biotopfunktion der Bauwerke, ihre Einbindung in die Kulturlandschaft und der Denkmalcharakter der Anlagen bewahrt werden. Denn die Natur hat die Ruinen zurückerobert. Stollen und Bunker bilden den Ersatz für natürliche Höhlen. So finden hier Wildkatzen Unterschlupf, und Fledermäuse haben hier ihr Winterquartier.

An Erdhügeln und offenen, zerrissenen Betonwänden finden sich viele spezialisierte Pflanzen- und Tierarten, die andernorts von Straßen- und Siedlungsbau oder intensiver Landwirtschaft verdrängt wurden.

Seit den 1960er Jahren wurden Millionen Euro dafür eingesetzt, die Westwall-Anlagen zu beseitigen. In Wahrheit werden die Anlagen lediglich gesprengt und unter Erde „begraben“. Damit gehen die wertvollen Biotopstrukturen verloren. Schon seit vielen Jahren setzt sich der BUND für den Schutz der Bunkeranlagen ein, mit Erfolg: in Rheinland-Pfalz wurde die Zerstörung der Bunker bis auf wenige Ausnahmefälle untersagt.

Links

Quelle: http://www.bund-saar.de/themen_und_projekte/naturschutz/gruener_wall_im_westen/