BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


17. November 2016

BUND Saar warnt vor Durchfahrt von Gigalinern Gütertransporte gehören auf die Schiene Verkehrspolitik menschen- und klimafreundlicher gestalten


Demnächst könnten überlange Lkw durch das Saarland fahren, weil im Nachbarland Rheinland-Pfalz Strecken für die Gigaliner freigegeben wurden. Man stelle sich Riesen-Lkw auf der Fechinger Talbrücke vor, die nach monatelangen Arbeiten gerade wieder halbwegs befahrbar ist! Außerdem machen die über 25 Meter langen Fahrzeuge den Verkehr unübersichtlicher, Überholzeiten werden deutlich länger und Kreuzungen sind blockiert, weil ein solcher Monster-Laster abbiegt. Der BUND Saarland appelliert daher entschieden an die Landesregierung, sich weiterhin gegen die Zulassung von überlangen und bald auch überschweren Lkw stark zu machen.

Neben den Gefahren für Straßen, Brücken und nicht zuletzt Verkehrsteilnehmer gibt es weitere Gründe für die saarländische Regierung, sich gegen die Durchfahrt der Mega-Trucks zu positionieren. Der Einsatz von Lang-Lkw ist ökologischer Unsinn und widerspricht der Strategie der Bundesregierung und der Länder für den Güterverkehr. Denn der soll deutlich mehr als bisher auf die Schiene verlagert werden, während die Gigaliner es erst richtig interessant machen, Transporte auf der Straße abzuwickeln. Die Transportkosten sinken dadurch, dass die Ladung von drei normalen Lkw in zwei Lang-Lkw passt. Argumente der Monster-Truck-Befürworter wie bspw. dadurch sinke die Zahl der Lkw-Fahrten und es gebe eine Entlastung für Anwohner und Umwelt, sind reine Augenwischerei. „Die Dynamik, die durch eine Senkung der Transportkosten entstehen würde, zieht Güter von der Schiene ab. Es wird mehr Lkw-Fahrten geben anstatt weniger.“ prophezeit Andrea Wurm vom BUND Saarland.

Die etwa 400 überlangen Lkw, die seit 2011 auf unseren Straßen unterwegs sind, haben eine Ausnahmegenehmigung, weil sie an einem „Feldversuch“ teilnehmen. Andrea Wurm sagt dazu: „Was hier getestet wird, sind nur die Protestschreie von Landesregierungen und Bevölkerung. Fallen die nicht laut genug aus, werden 25 Meter lange Lkw mit einem Gewicht von 44 Tonnen bald zugelassen.“ Der Feldversuch soll Ende dieses Jahres abgeschlossen werden, vermutlich mit der Zulassung der Gigaliner im gesamten deutschen Straßennetz. In anderen europäischen Ländern sind Lkw mit 60 Tonnen unterwegs, und man kann davon ausgehen, dass Deutschland bald nachziehen würde – erst länger, dann schwerer. Die derzeitige Politik ist rückwärtsgewandt und von Wirtschaftsbossen diktiert. Andrea Wurm ruft dazu auf: „Fangen Sie endlich damit an, eine menschen-, umwelt- und klimafreundliche Verkehrspolitik zu machen! Frau Kramp-Karrenbauer, Frau Rehlinger – sagen Sie deutlich Nein! zur Politik von Dobrindt.“

Gütertransporte über längere Strecken gehören auf die Schiene, denn Eisenbahnen stoßen weniger Emissionen aus und ein Zug kann die Ladung von 40 Mega-Trucks gleichzeitig transportieren. „Soll unsere Erde nicht an Überhitzung sterben, müssen wir jetzt umsteuern.“ appelliert Andrea Wurm.

Zudem gefährden Züge nicht den Straßenverkehr und damit unsere Sicherheit, weil sie auf eigenen Strecken fahren. Unfälle mit Lkw-Beteiligung führen zu deutlich mehr Verkehrstoten als Autounfälle. Mit längeren und schwereren Lkw wird diese Gefährdung noch größer.

Mehr Lkw, höheres Gewicht und auch die Überlänge strapazieren die vorhandene Infrastruktur, die im Saarland sowieso eher marode ist. Der Straßenbelag wird stärker abgenutzt, Wasser- und Gasleitungen sowie die Kanalrohre gehen schneller kaputt, Brücken können die dauernde Mehrbelastung nicht aushalten. Probleme entstehen auch dadurch, dass Kreuzungen, Kreisverkehre, Bahnübergänge, Parkbuchten, Rastanlagen etc. nicht auf Fahrzeuge ausgerichtet sind, die länger sind als knapp 19 Meter – die EU-weit und auch innerhalb Deutschlands maximale Länge von Lkw. Für Maßnahmen, die Infrastruktur anzupassen und in kürzeren Abständen zu sanieren, wären enorme Ausgaben notwendig, die sich das Saarland definitiv nicht leisten kann.

Mehr Informationen zur Position des BUND in Zusammenarbeit mit der Allianz pro Schiene und weiteren Organisationen unter www.nomegatrucks.eu.


Quelle: http://www.bund-saar.de/nc/presse/presseerklaerungen_landesverband/detail/browse/1/artikel/bund-saar-warnt-vor-durchfahrt-von-gigalinern-guetertransporte-gehoeren-auf-die-schiene-verkehrspoli/