BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


21. Dezember 2011

Kleines Nachtpfauenauge ist Schmetterling des Jahres 2012

Das Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia L.), einer der größten und farbenprächtigsten Nachtfalter, wurde von der BUND NRW Naturschutzstiftung und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. zum Schmetterling des Jahres 2012 gekürt. Die Flügel der Männchen des Kleinen Nachtpfauenauges sind kontrastreich orange, weiß, schwarz und meist auch rosa gefärbt. Die Weibchen sind unauffälliger, aber mit einer Spannweite von über acht Zentimetern deutlich größer als die Männchen. Seinen Namen verdankt der Falter ausgeprägten augenähnlichen Flecken auf den Flügeln. Sie dienen zur Abschreckung von Feinden. Die erwachsenen Schmetterlinge nehmen keine Nahrung auf. Sie zehren allein von den Reserven, die sie sich als Raupen angefressen haben. Daher leben die Falter nach ihrem Schlüpfen nur wenige Tage im April und Mai.

Das Kleine Nachtpfauenauge ist in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet. Sein Lebensraum sind naturnahe offene Landschaften, teilweise auch verwilderte Gärten. In Städten, größeren geschlossenen Waldgebieten und ausgeräumten Agrarlandschaften fehlt der Schmetterling.

Christoph Hassel, Vorsitzender des BUND Saarland: „Als Folge des fortschreitenden Landschaftsverbrauchs ist der Bestand des Kleinen Nachtpfauenauges in einigen Regionen Deutschlands zurückgegangen. So steht er in Brandenburg auf der Roten Liste gefährdeter Tiere. Im Saarland ist der prächtige Nachtfalter noch fast flächendeckend vorhanden und nicht gefährdet. Sein Bestand scheint weitgehend stabil zu sein, auch wenn das Kleine Nachtpfauenauge in den letzten Jahren seltener gesehen wurde.“

Mit der Ernennung des Kleinen Nachtpfauenauges zum Schmetterling des Jahres 2012 macht die Jury auf die besondere Schönheit dieses Schmetterlings und auf die generelle Gefährdung der Schmetterlinge aufmerksam. Durch den weiterhin viel zu hohen Flächenverbrauch und die Industrialisierung der Landwirtschaft geht in Deutschland der Bestand vieler Schmetterlingsarten zurück.

Die Weibchen des Kleinen Nachtpfauenauges halten sich tagsüber versteckt und geben einen Sexuallockstoff ab, um Männchen anzulocken. Die Männchen nehmen diesen Duft kilometerweit mit ihren großen fächerförmigen Fühlern wahr und finden so zu den Weibchen.

Die Eier werden dann von den schwergewichtigen Weibchen oft an Böschungskanten abgelegt, wo sich dann die mit stacheligen Warzen versehenen Raupen aufhalten. Im Laufe des Wachstums wechseln sie ihre Farbe von anfangs schwarz auf später überwiegend grün.

Im Hochsommer spinnen sich die Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges in einen festen Kokon ein. Die Schmetterlinge schlüpfen im Frühjahr des nächsten Jahres, teilweise aber auch erst im übernächsten Jahr.

Letztere werden „überliegenden“ Puppen genannt und sichern den Fortbestand der Art, falls einmal die gesamte Jahres-Population durch Krankheiten oder bei klimatisch sehr ungünstigen Bedingungen sterben sollte.

Seit 2003 wird der "Schmetterling des Jahres" von der Stiftung des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gekürt, um auf die Artenvielfalt – und ihre Bedrohung – aufmerksam zu machen.

Druckfähige Fotos von Ei, Raupe, Puppe und ausgewachsenem Schmetterling finden Sie kostenlos im Internet unter
www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de/schmetterling2012.htm.

(Christoph Hassel)
BUND Landesvorsitzender


Quelle: http://www.bund-saar.de/nc/presse/presseerklaerungen_landesverband/detail/artikel/kleines-nachtpfauenauge-ist-schmetterling-des-jahres-2012-3/