BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


28. Juli 2017

Gemeinsame Pressemitteilung der anerkannten saarländischen Naturschutzvereinigungen BUND, Saarwald-Verein und NABU ADAC Rallye Deutschland 2017 in NATURA-2000-Gebieten

Die drei staatlich anerkannten Naturschutzvereinigungen BUND, NABU und Saarwald-Verein zeigen sich sichtlich enttäuscht angesichts der jüngst vom saarländischen Umweltministerium ausgesprochenen Befreiungen von den Motorsport- und Befahrungsverboten der drei nach Bundesnaturschutzgesetz ausgewiesenen nationalen Schutzgebiete „Eiweiler“, „Noswendeler Bruch“ und „Täler der Ill und ihrer Nebenbäche“.

In Naturschutz- und NATURA-2000-Gebieten hat der Schutz von Natur und Landschaft Vorrang vor allen anderen konkurrierenden Nutzungen, weshalb dort ein nicht privilegiertes Befahren und im Falle von rechtskräftig ausgewiesenen NATURA-2000-Gebieten explizit sogar Motorsportveranstaltungen jeglicher Art, zumindest außerhalb dort vorhandener klassifizierter Straßen, grundsätzlich verboten sind.

„Offensichtlich genügt es im Land der kurzen Wege bereits, anzuführen, man sei von den naturschutzrechtlichen Gegebenheiten überrascht worden und der enge Zeitrahmen lasse eine Korrektur leider nicht mehr zu, um eine unzumutbare Belastung für den Veranstalter zu begründen“, so Christoph Hassel, BUND-Landesvorsitzender. „Die Etablierung des Serviceparks der Deutschland-Rallye am Bostalsee, ohne die Eignung der im Umfeld vorgesehenen Wertungsprüfungsstrecken zuvor naturschutzfachlich geprüft zu haben, ist sicherlich kein professionelles Vorgehen“, führt Ulrich Heintz, Vorsitzender des NABU Saarland, weiter aus. „Im Rahmen der bisher geführten Gespräche mit der Ministeriumsspitze und dem Veranstalter ADAC haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Oberste Naturschutzbehörde vom saarländischen Innenministerium erst viel zu spät über die Rallye-Planungen der nächsten Jahre informiert wurde“, ergänzt der Landesvorsitzende des Saarwald-Vereins Aribert von Pock.

Dennoch werden die drei Naturschutzverbände in diesem Jahr vorerst noch keine juristischen Schritte gegen die in ihren Augen zweifelhafte Befreiungspraxis einleiten, zumal in den Bescheiden der Obersten Naturschutzbehörde neben strengen Auflagen von einem „einmaligen Störereignis“ gesprochen wird und eine Wiederholung dieser speziellen befreiungsbegründenden Situation nicht zu befürchten stehe. Dies soll im Klartext heißen, dass ab dem kommenden Jahr von Veranstalterseite ein vorausschauendes Planungskonzept unter Aussparung von Schutzgebieten vorzulegen ist und gegebenenfalls erneut vorgebrachte Zeitgründe keine befreiungsbegründende Rolle mehr spielen werden.

Trotz dieses dem ADAC gegenüber mehr als fairen Zugeständnisses aller drei Verbandsvorstände, das lediglich für 2017 gilt, um den Weltmeisterschaftslauf möglicherweise nicht im letzten Moment noch absagen zu müssen, werden die Verbände im kommenden Jahr nicht mehr zögern, beim erneuten Eintreten einer derart unbefriedigenden Situation unverzüglich Rechtsmittel einzulegen.

Für Rückfragen:
Wendelin Schmitt, Geschäftsstellenleiter NABU Saarland e. V., Tel. 06881 93619-14


Quelle: http://www.bund-saar.de/nc/presse/presseerklaerungen_landesverband/detail/artikel/gemeinsame-pressemitteilung-der-anerkannten-saarlaendischen-naturschutzvereinigungen-bund-saarwald/