BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


16. Juli 2013

BUND und NABU unterstützen Nationalparkausweisung Bundesländerübergreifender Nationalpark im Hochwald muss naturschutzfachlichen Kriterien genügen

BUND- und NABU-Vertreter aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland begrüßen die bevorstehende Ausweisung eines gemeinsamen Nationalparks. „Der Nationalpark wird einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in der Region und in ganz Deutschland leisten“, freut sich Harry Neumann, Vorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz, im Rahmen eines Pressegesprächs am Umwelt-Campus Birkenfeld. Mit ihm setzten die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland einen Teil der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung um, die vorsehe, 10% des Staatswaldes aus der Nutzung zu nehmen. Diese Strategie werde von allen Bundestagsfraktionen getragen, deshalb dürfe die Ausweisung des Nationalparks jetzt nicht in eine parteipolitische Auseinandersetzung gezogen werden.

„Damit der Nationalpark seine Funktion als neues Wildnisgebiet erfüllen kann, müssen naturschutzfachliche Kriterien oberste Priorität haben“, betonen Siegfried Schuch, Vorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz, sowie Karl Rudi Reiter, stellvertretender Vorsitzender des NABU Saarland. Zu diesen Kriterien gehörten die Mindestgröße von 10.000 ha sowie eine Kernzone auf mindestens 75 Prozent der Fläche. In der Kernzone solle die Natur sich möglichst ungestört selbst entwickeln. „In der Kernzone wird der Leitgedanke des Nationalparks ‚Natur Natur sein lassen’ umgesetzt“, erläutert Christian Jungmann, Vorsitzender der NABU-Kreisgruppe Birkenfeld. Die restliche Fläche des Nationalparks diene als Pflegezone, um die Kernzone gegen Einflüsse von außen abzupuffern, in einzelnen Fällen aber auch, um wertvolle Offenlandbereiche zu erhalten.

Die Verbände wollen die Errichtung des Nationalparks aktiv begleiten. So arbeiten sie derzeit an einem Papier zum Wildtiermanagement im Nationalpark. „Zur Nutzungsfreiheit im Nationalpark gehört auch die Einstellung der Jagd“, erläutert Gerd Kunz vom BUND Saarland (Regionalgruppe Obere Nahe). „Aus verschiedenen Gründen kann es aber erforderlich sein, mit einem professionellen Wildtiermanagement nach wildbiologischen Gesichtspunkten in den Bestand einzugreifen, beispielsweise zur Vermeidung von Wildschäden in angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen oder zur Tierseuchenvermeidung.“ Die dann erforderliche Bestandsregulierung müsse unter Regie der Nationalparkverwaltung möglichst störungsarm erfolgen.
 
Große Sorgfalt sei auch beim Umgang mit den Fichten im Nationalpark geboten. An einigen Stellen sei es naturschutzfachlich durchaus sinnvoll, Fichten gezielt zu entnehmen, etwa auf entwässerten Moorstandorten. Hier sei es vor allem auch notwendig, dass die Moore wiedervernässt würden, so dass die Voraussetzungen für eine zukünftige natürliche Entwicklung gegeben seien. Den Versuch, die Fichte auf ganzer Fläche zu entfernen, sehen die Verbände aber sehr kritisch. Die Fichte sei in der Region zwar nicht heimisch, wegen der guten Standortbedingungen sei es jedoch völlig unrealistisch diese wieder vollständig aus dem Gebiet zu bekommen. „Der Nationalpark dient in erster Linie dem Schutz von natürlichen Prozessen. Es geht nicht darum ein bestimmtes Waldbild, das wir in unseren Köpfen haben, zu entwickeln, sondern darum, der Natur ihren Lauf zu lassen. Dabei dürfen wir nicht nur die nächsten Jahre im Blick haben, sondern müssen in Generationen denken“, unterstreicht Sabine Yacoub, Landesgeschäftsführerin des BUND Rheinland-Pfalz.
Um diesen zahlreichen und anspruchsvollen Aufgaben im Nationalpark gerecht zu werden, müsse die Nationalparkverwaltung über ausreichendes und naturschutzfachlich qualifiziertes Personal verfügen. Nationalparkranger müssten geschult werden, um die Bedeutung des Nationalparks und die erforderlichen Regeln zu seinem Schutz an Besucher und Anwohner zu vermitteln. Die Dienst- und Fachaufsicht müsse bei der Obersten Naturschutzbehörde liegen.

Auch die mit dem Nationalpark verbundene Regionalentwicklung wollen die Verbände konstruktiv begleiten. NABU und BUND erwarten eine Förderung von Projekten rund um den Nationalpark, die einem naturverträglichen Tourismus dienen. Von großer Bedeutung sei hierbei die Entwicklung der Infrastruktur. „Der Urlaub in der Nationalparkregion muss ohne eigenen PKW gut möglich sein“, betont Winfried Werle von der BUND-Kreisgruppe Birkenfeld. „Nur dann kann man von einem naturverträglichen Tourismus sprechen.“ Bei der Erstellung eines attraktiven Naturerlebnisangebotes, das Besucher in den Nationalpark lockt, bieten die Naturschutzverbände ihre Mithilfe an und wollen in einer dafür einzurichtenden Arbeitsgruppe mitarbeiten.
 
Von der Landespolitik erwarten die Verbände jetzt eine zügige Umsetzung des Nationalparks. Die Reduzierung der Diskussion auf den Kostenaspekt, wie sie von einigen Gruppen betrieben werde, kritisieren die Verbände scharf. „ Wenn man von Entwicklungsländern den Verzicht auf die Abholzung des tropischen Regenwaldes fordert, dann müsse man auch bereit sein, auf die Nutzung eines kleinen Anteils unserer Wälder zu verzichten und dürfe dies wegen der geringen Einnahmeausfälle nicht kritisieren, so Harry Neumann. Völlig unverständlich sei ihm insbesondere die Haltung der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion. Während die CDU im Saarland die Einrichtung des Nationalparks mit voranbrächte und auch die Akteure und die große Mehrheit der Bevölkerung in der Region sich längst für einen Nationalpark ausgesprochen und seine Chancen erkannt haben, lege die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktion den ökologischen Rückwärtsgang ein.

Die Einrichtung eines Nationalparks stellt nach Auffassung der Verbände einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz dar, unter dem die weiteren wichtigen Aufgaben aber nicht vergessen werden dürfen. Deshalb warnen sie davor, dass die Einrichtung des Nationalparks nicht zum Sparen in anderen Bereichen des Naturschutzes führen dürfe.

Der Pressetermin fand nach Aussage der Umweltverbände nicht zufällig am Umwelt-Campus Birkenfeld statt: Der Hochschulstandort von Trier, direkt an der Grenze zum Saarland und am Fuße der Gebietskulisse des geplanten Nationalpark gelegen, ist Europas erster Null-Emissions-Campus und wurde kürzlich zur grünsten Hochschule Deutschland gekürt. Die Umweltverbände erhoffen sich von der Hochschule nun aktive wissenschaftliche Beiträge zum Nationalpark selber, aber auch zu der darauf aufbauenden nachhaltigen Modellregion.

Für Rückfragen:
Harry Neumann, Vorsitzender BUND Rheinland-Pfalz: 01577 - 95 75 158
Siegfried Schuch, Vorsitzender NABU Rheinland-Pfalz: 0171 – 8168966
Sabine Yacoub, Geschäftsführerin BUND Rheinland-Pfalz: 0174-9971892

Anhang:
Im Anhang finden Sie die Kurzstellungnahme von BUND und Nabu zum Nationalpark: "16072013_Nationalpark_Kurzstellungnahme BUND_NABU.pdf"
sowie ein Foto von Harry Neumann aus dem Hochwald: "Hochwald_Harry_Neumann_BUND_DSC_0497_Klein.jpg" Dies dürfen Sie mit Nennung der Quelle (Foto: Harry Neumann) hier verwenden.
Alle Informationen finden Sie auch unter www.bund-rlp.de


Quelle: http://www.bund-saar.de/nc/presse/presseerklaerungen_landesverband/detail/artikel/bund-und-nabu-unterstuetzen-nationalparkausweisung-bundeslaenderuebergreifender-nationalpark-im-hoch/