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Kandidatencheck zur Landtagswahl Saarland am 30. August 2009
5. Spätestens seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED)der UN-Naturschutzkonferenz 2008 in Bonn stand die Frage im Mittelpunkt,wie die Vertragsstaaten das „2110-Ziel", also eine signifikanteReduzierung der derzeitigen Verlustraten an biologischer Diversität sowohlauf internationaler, auf regionaler und auf lokaler Ebene, erreichtwerden soll.
CDU:
Die CDU Saar hat sich sehr früh dem Thema Biodiversität angenommen. Ihre Erhaltung ist ein wesenliches Feld zukunftsfähigen Naturschutzes. Deshalb setzt sich die CDU-geführte Landesrgierung seit Jahren für den Schutz der Biodiversität im regionalen, nationalen und internationalen Kontext ein. Ausdruck dieser Schwerpunktsetzung ist unter anderem die Teilnahme des Saarländischen Umweltministers als Ländervertreter in der Deutschen Delegation bei der UN-Naturschutzkonferentz in Bonn im vergangenen Jahr.
Das Konzept zur Erhaltung der Regionalen Biodiversität, das bspw. der Erhaltung der Rotbuchenwälder als bedeutsamen regionalen Ökosystemen eine besonders hohe Bedeutung beimisst, definiert Naturschtuzfachliche Ziele und enthält einen Maßnahmenkatalog für die nähcsten Jahre. Die CDU Saar wird sich dafür stark machen, die regionalen Biodiversitätsstrategie in den kommenden Jahren Stück für Stück weiter umzusetzen. Dazu gehörden spezielle Artenschutzprogramme wie für den Nerzu und die Wildkatze genauso wie die Renaturierung von Waldbächen, die Anlage von Auwäldern und die Wiedervernässung von einstmals trocken gelegten Waldstandorten.
SPD:
Es müssen deutlich mehr Vorranggebiete für Natur- und Freiraumschutz ausgewiesen werden, die sich an den Erfordernissen der Erhaltung der Biodiversität orientieren.
Artenschutzkonzepte für die heimischen Arten, für die das Saarland eine besondere Verantwortung hat, müssen umgesetzt werden, es muss ein Masterplan für die Entwicklung und Gestaltung von qualitativ hochwertigen Kompensationsflächen für den Eingriff in Natur und Landschaft geschaffen werden.
Die Großschutzgebiete mit überregionaler Bedeutung müssen weiterentwickelt werden, mit einem Mix aus Naturschutz, Naturerlebnis, nachhaltiger Nutzung und regionaler Direktvermarktung.
Ein nachhaltiges Landesbewirtschaftungskonzept 2020 muss konzipiert werden.
FDP:
Zu 1. Zunächst ist die Frage zu stellen, was mit „Naturnähe“ gemeint ist. Durch den größeren Artenreichtum der Kulturlandschaft unserer Region gegenüber einer Landschaft, die durch die heutige potenziell-natürliche Vegetation geprägt wäre, ist es das Ziel der FDP Saar, die aktuelle Kulturlandschaft, insbesondere gemeinsam mit den Landnutzern zu entwickeln, um eine nachhaltige Entwicklung in ökologischer, sozialer und ökonomischer Dimension zu erreichen.
Zu 2. Die FDP setzt sich dafür ein, die nötigen Ressourcen und den nötigen Sachverstand bereitzustellen, um eine nachhaltige Landschaftsentwicklung, deren Teil die Biodiversität ist, auch nach 2010 sicherzustellen. Landwirtschaft und Naturschutz sollen dabei stärker miteinander verzahnt werden
Bündnis90/Die Grünen:
Wir Grüne haben eine umfassende Biodiversitätsstrategie für das Saarland vorgelegt.
Diese kann vollständig unter http://partei.gruene-saar.de/pdf/Artenvielfalt.pdf
nachgelesen werden. Anbei in gekürzter Fassung unser 10-Punkte-Katalog.
Grüner 10-Punkte-Katalog zum Erhalt der Artenvielfalt im Saarland
1. Flächenverbrauch reduzieren
Obwohl bekannt ist, dass vor allem der Flächenverbrauch unsere Artenvielfalt gefährdet,
investiert das Land weiter in Beton und Asphalt als in Daseinsvorsorge. Die
Grünen wollen ein konsequentes Flächenrecycling bzw.
nachhaltiges Flächenmanagement, z.B. beim Straßenbau die Konzentration auf Erhalt
und Ausbau statt Neubau.
2. Biotopverbund umsetzen
Die saarländischen Grünen fordern ein landesweites Biotopverbundkonzept in dem
die vorhandenen Lebensräume mit neuen Verbundelementen vernetzt werden.
Sie wollen ein Konzept für Entwicklungsräume für einen Biotopverbund entwickeln, in
dem zukünftig Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft konzentriert
werden.
3. Europäisches Naturschutzrecht konsequent umsetzen
Im Saarland gehören Eingriffe in hochwertige Schutzgebiete zum Alltag. Ein Beispiel
sind die jährlichen Treibjagden mit Hundemeuten im größten Waldnaturschutzgebiet,
dem Urwald bei Saarbrücken. Die Grünen sorgen dafür, dass Naturschutzgebiete
nicht zu Orten für illustre Gesellschaftsjagden verkommen und das Instrument des
Vertragsnaturschutzes fortentwickelt wird.
4. Naturschutz- statt Naturnutzgesetz
Mit ihrer Novelle des Saarländischen Naturschutzgesetzes hat die CDULandesregierung
den „wirtschaftenden Menschen“ zum Maß aller Dinge erklärt und
den Schutz der Naturgüter in die zweite Reihe gestellt. Die Grünen werden werden
das saarländische Naturschutzgesetz reformieren, damit aus einem Naturnutz ein
Naturschutzgesetz wird!
5. Naturnaher Waldbau – nicht nur auf dem Papier
Die zur Zeit vorhandene Hochmechanisierung der Waldarbeit führt neben dem Waldsterben
von oben durch die Verschmutzung der Luft, dem Waldsterben von unten
durch überhöhte Wildbestände, zu einem Waldsterben von Innen durch massive Störungen
abiotischer und biotischer Prozesse im Waldökosystem. Die Grünen werden
konsequent das Ziel einer naturnahen Waldwirtschaft umsetzen.
6. Für eine ökologische Jagd, die Arten schützt
Nach wie vor unterliegen im Saarland viele Tierarten, die als gefährdet eingestuft sind
oder einen europäischen Schutzstatus besitzen, dem Jagdrecht, werden nach wie vor
getötet und keiner sinnvollen Verwertung zugeführt. Die Grünen wollen das Saarländische
Jagdgesetz so reformieren, dass es zu einem Gesetz wird, das den Zielen des
Natur- und Artenschutzes gerecht wird.
7. Für eine ökologische gentechnikfreie Landwirtschaft
Das Saarland lebt von seiner Kulturlandschaft. Wiesen, Wälder und Streuobstwiesen
charakterisieren unser Land. Landwirte, Obst- und Weinbauern erhalten und entwickeln
unser Landschaftsbild. Die Grünen setzen sich deshalb mit allen Mitteln gegen
den Anbau und das damit verbundene Risiko der unkontrollierbaren Ausbreitung gentechnisch
veränderter Organismen in der Landwirtschaft ein.
8. Bioenergie ja – aber geplant und naturverträglich
Der Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Energieerzeugung verlangt eine landesplanerische
Ordnung. Die Grünen werden alle landesplanerischen Instrumente nutzen,
um einen verantwortlichen Anbau von Biomasse zu garantieren. Wir wollen,
dass zur Erzeugung von Biogas in erster Linie Reststoffe und Abfälle aus der landwirtschaftlichen
Erzeugung, der Lebensmittelproduktion, der Landschaftspflege etc.
genutzt werden.
9. Gewässerschutz verbessern
Fließgewässer sind wesentliche Landschaftselemente. Sie sind von Natur aus offene,
dynamische Systeme, die einer ständigen Veränderung unterliegen. Die Grünen wollen
den Zustand der saarländischen Gewässer und ihre begleitenden Lebensräume
als Lebensraum für Pflanzen und Tiere verbessern.
10. Unterstützung des ehrenamtlichen Naturschutzes
Der ehrenamtliche Naturschutz ist eine wichtige Säule des Natur- und Artenschutzes
in der Fläche und Bindeglied zur Bevölkerung. Deshalb werden die Grünen die Unterstützung
naturschutztreibender Organisationen verbessern. Vorhandene Haushaltsmittel
für den Tierschutz müssen sinnvoller genutzt werden.
DIE LINKE:
Zu 1. Einige Arten (z.B. bestimmte Schmetterlinge), mit denen wir in unserer Jugend groß geworden sind und die ubiquitär vorhanden waren, können wir unseren Kindern heute kaum noch zeigen, weil sie vom Aussterben bedroht sind oder im Saarland schon gar nicht mehr vorkommen. Diesen Naturfrevel haben wir selbst verursacht durch unsere Gier nach immer mehr Pseudo-Lebensqualität zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Das schlimmste Beispiel ist die Atomkraft, die heute unseren unverantwortlich hohen Strombedarf deckt und deren wahnsinnige Risiken ohne vernünftig in den Gestehungspreis eingerechnete Rückstellungen an unsere Kinder weitergegeben werden.
Zu 2. Tier- und Pflanzenschutz haben bei uns einen hohen Stellenwert. An den Schaltstellen im höheren Dienst – ob Kommunen, Kreisverwaltungen oder Ministerien – sitzen jedoch zumeist Juristen oder Wirtschaftler. Naturnähere Hochschulabsolventen wie Biologen, Geographen, Biogeographen, naturwissenschaftliche Magister usw. dringen oftmals nicht in Führungspositionen vor, sondern müssen meist froh sein, dass sie – wenn überhaupt – in der Hierarchie des mittleren und gehobenen Dienstes ein bescheidenes Auskommen finden. Das wollen wir ändern, indem wir dementsprechende Ausschreibungstexte naturnäher fassen. Außerdem wollen wir vorschulisch und schulisch naturverbundene Curricula durchsetzen.
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